Projekte im Rahmen der Deutsch-italinischen Berufsbildungskooperation

Seit 2012 ist die AHK Italien aktiver Partner der bilateralen Kooperation und an bilateralen Kooperationsprojekten für duale Berufsausbildung und Arbeitsmarktpolitik beteiligt. Diese Zusammenarbeit ist in der Gemeinsamen Absichtserklärung verankert, die seit über 10 Jahren von den Ministerien für Bildung und Arbeit Italiens und Deutschlands beständig erneuert wird und die seit 2023 auch ein integraler Bestandteil des deutsch-italienischen Aktionsplans ist.

In diesem Zusammenhang wurden auch 2025 die Aktivitäten des Projekts ConnActions fortgesetzt, einer Schlüsselinitiative der bilateralen Zusammenarbeit, die vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) im Jahr 2022 mit dem Ziel gestartet wurde, den Erfahrungsaustausch zwischen Akteuren der dualen Ausbildung in Italien und Deutschland mit Fokus auf die Einbindung von Wirtschafts- und Sozialpartnern zu fördern und so zu den bilateralen Kooperationsstrategien für die Weiterentwicklung der Bildungssysteme beider Länder beizutragen. Darüber hinaus sollen Faktoren und Hemmnisse für erfolgreiche bilaterale Netzwerkarbeit herausgearbeitet werden.

Der Austausch zwischen den sechs bilateralen Modellnetzwerken war intensiv und fruchtbar. Sie haben ihre Arbeitsprogramme konsolidiert und zu konkreten und nachhaltigen (Zwischen-) Ergebnissen geführt.

Das Netzwerk Kunsthandwerk, das sich auf die Digitalisierung in den Handwerksberufen konzentriert, hat ein Pilotprojekt mit Sprachmodellen der Künstlichen Intelligenz (KI) entwickelt, das darauf abzielt, eine gemeinsame Wissensbasis aufzubauen und effektiver zusammenzuarbeiten. Darüber hinaus wurde die Diskussion über die Herausforderungen der digitalen Transformation im Bildungsbereich fortgesetzt, mit einer Studienreise nach Koblenz und Aachen, die Gelegenheit bot, über die Kompetenzen der Handwerker der Zukunft und den Einsatz von KI in der Ausbildung zu reflektieren. Das Netzwerk Genuss, das sich mit den Auswirkungen der Nachhaltigkeit in der Nahrungsmittelkette befasst, hat die Idee der Gründung einer binationalen nachhaltigen Schülerfirma vorangetrieben, auch dank der Analyse bereits bestehender Erfahrungen in Italien und Deutschland. Das Netzwerk Berufsorientierung, das sich auf die Förderung wirksamer Ansätze konzentriert, um jungen Menschen den Übergang zwischen Schule und Beruf zu erleichtern, hat eine Umfrage entwickelt, um die Einflussfaktoren zur beruflichen Entscheidungsfindung junger Menschen in Deutschland und Italien besser zu verstehen und um herauszufinden, wie ihre Berufsorientierung verbessert werden könnte. Die Optiker setzten die Diskussion über die länderübergreifenden Standards bei der Ausbildung, die Anerkennung der Berufsabschlüsse und die technologischen Innovationen in der Berufsausbildung fort, dank einer Studienreise in die Lombardei und Venetien, der Teilnahme an der MIDO-Messe in Mailand und Vertiefungen zur Anwendung von KI in den Ausbildungsgängen für AugenoptikerInnen. Die Steinmetze konzentrierten sich auf Strategien zur Aufwertung und Attraktivitätssteigerung ihrer Profession und analysierten dabei die Stärken und Schwächen in beiden Ländern: Es wurden Treffen in Siena mit Vertiefungen zum Konzept der „Baustellenschule“ als Lehrmethode und in Südtirol an der Steinschule „Johannes Steinhäuser” organisiert. Schließlich hat das Netzwerk Wein, das sich auf technologische Innovationen und Zukunftskompetenzen im Weinbau im Weinbau- und der Kellereiwirtschaft konzentriert, im Laufe des Jahres die Beteiligung von Unternehmen und Akteuren der tertiären Bildung an der Partnerschaft verstärkt und wichtigen italienischen Stakeholder, wie der Enoteca Italiana, das Potenzial der bilateralen Zusammenarbeit vorgestellt.

Im zweiten Halbjahr 2025 trat ConnActions in eine neue Phase ein: Die Institutionen des Begleitgremiums als wichtige Stakeholder des Projekts haben beschlossen, gemeinsam mit dem Forschungsinstitut INAPP ein qualitatives Monitoring der sechs bilateralen Modellnetzwerke einzuleiten, um die Zusammenarbeit innerhalb der Partnerschaften zu bewerten und nützliche Elemente zur Konsolidierung der bilateralen Kooperation im Hinblick auf die gewonnenen Erkenntnisse und die Nachhaltigkeit zu sammeln. Die Ergebnisse werden im Laufe des Jahres 2026 vorgestellt. Ebenfalls im Hinblick auf die zukünftige Nachhaltigkeit der Netzwerke haben die italienischen Partner von den Netzwerken Berufsorientierung und Kunsthandwerk begonnen, netzwerkübergreifend zusammenzuarbeiten und darüber nachzudenken, wie sie die Kontinuität ihrer Partnerschaft gewährleisten können. Dazu nahmen sie an einem Workshop teil, der vom ConnActions-Team in Mailand mit der Methode LEGO® Serious Play® organisiert wurde.

Im Jahr 2025 haben wir als AHK Italien die achte Ausgabe des Berufsbildungspreises „Premio di Eccellenza Duale” unter der Schirmherrschaft der Deutschen Botschaft in Rom und mit Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) und des German Office for International Cooperation in Vocational Education and Training (GOVET) koordiniert. Dank dieser bedeutenden Initiative haben wir seit 2018 mehr als 330 dualen Projekten von fast 300 Unternehmen Sichtbarkeit gegeben, an denen über 4.800 Auszubildende bzw. SchülerInnen in ganz Italien beteiligt waren.

An dem diesjährigen Wettbewerb nahmen 47 Unternehmen teil, mit insgesamt 49 eingereichten Bewerbungen und mehr als 800 Auszubildenden bzw. SchülerInnen in dualen Projekten aus 16 verschiedenen Berufssektoren.

Die GewinnerInnen wurden während der traditionellen feierlichen Preisverleihung am 16. Dezember 2025 in der Villa Almone, der Residenz des Botschafters der Bundesrepublik Deutschland in Italien, S.E. Dr. Thomas Bagger, geehrt.

Die Auszeichnungen in den verschiedenen Preiskategorien gingen an: SOSETEG für Ausbildungsgänge mit Ausbildungsverträgen Typ 1; ENEL und Lidl Italia für Ausbildungsgänge mit Ausbildungsverträgen Typ 3; Gruppo Pittini für Ausbildungsgänge mit Betriebspraktika während der Schulzeit; Cascina Martina für Ausbildungsgänge von Klein- und Kleinstbetrieben. Sonderauszeichnungen der Jury wurden an folgenden Unternehmen vergeben: an ARST für den Einsatz der dualen Ausbildung im öffentlichen Sektor; an Guidi Autofficina für das Engagement zur Verhinderung von Schulabbrüchen und zur Förderung des Handwerks; an die Merck-Gruppe für die berufliche Ausbildung im Bereich der wissenschaftlichen Forschung.

Im Jahr 2025 haben wir die Exzellenzen der dualen Ausbildung in Italien in einer neuen Community zusammengebracht: einem digitalen Raum für Dialog, Networking und Lernen, der den Finalisten oder Gewinnern der vergangenen Ausgaben des „Premio Duale” gewidmet ist und wichtige Impulse für die duale Ausbildung in Italien geben soll, ausgehend von den Erfahrungen und Herausforderungen der Unternehmen, die dieses Modell bereits erfolgreich umsetzen.

15 Unternehmen haben sich erstmalig angeschlossen: bei den 6 Treffen tauschten die TeilnehmerInnen ihre jeweiligen dualen Erfahrungen aus und vertieften besonders relevante Themen wie die Ausbildungsfähigkeit von Unternehmen, die Ausbildung der AusbilderInnen und die Qualitätsstandards in dualen Ausbildungsgängen. Es wurden auch einige mögliche Ansatzpunkte zur Weiterentwicklung des italienischen Systems identifiziert, wie beispielsweise die Notwendigkeit einer besser strukturierten Zusammenarbeit zwischen Schulen und Unternehmen. Die Community wurde als moderierter Raum für gegenseitiges Lernen und Unterstützung sehr geschätzt: Die TeilnehmerInnen zeigten sich sehr motiviert, den Austausch auch im Jahr 2026 fortzusetzen, mit der Motivation, die Vorteile der dualen Ausbildung auch bei anderen Unternehmen zu fördern und einen Dialog mit Institutionen und politischen Entscheidungsträgern zu beginnen.

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